Mein Comeback am Ring

(22.06.01)


von
Daniel Voigt

 


Vorgeschichte:

Es ist nun etwa 10 Monate her, daß ich meine arme kleine Bandit auf dem Nürburgring mit ca. 130 aus einer Kurve geschmissen habe.
Gestern wagte ich -gestärkt mit nun 80 statt wie letztes Jahr 34 PS und einem schon lange wieder reparierten Motorrad, erstmals eine Wiederbegegnung mit der "Grünen Hölle"...

Auf dem gestrigen Heimweg von der Arbeit, ließ mich mein über die letzten sechs moppedfreien Tage doch recht stark angestiegener Benzingehalt im Blut intensiv darüber nachdenken, was man denn mit dem angebrochenen Nachmittag so anstellen könnte :o). Nachdem meine Gedanken ihre Nahrung noch teils im Bergischen, teils am
Ruhrsee suchten, erinnerte ich mich an mein schönes Geburtstagsgeschenk in Form von Freifahrtscheinen für zwei Runden "Grüne Hölle", beziehungsweise Grünen Himmel, wie Helmut Dähne zu sagen pflegt.


Zu Hause angekommen, versuchte ich dann noch, mir einige Spielgefährten
für das geplante Unternehmen zu erwärmen, doch dieseVersuche blieben leider erfolglos und so machte ich mich nach ein paarBier ... ährm , das glaubt Ihr doch wohl nicht im Ernst, oder :o) .... also nach ein paar Gläsern Apfelsinensaft auf die
beschwerliche, aber vielversprechende Reise richtung Eifel.
Beim Anwerfen begrüßte mich mein Baby auch gleich mit den mir in letzterZeit gar nicht mehr so überraschend erscheinenden Rauchwolken. Hoffentlich machts die Mühle noch ne Weile!
Nach einer mir endlos erschienenen Autobahnfahrt, gönnte ich mir auf dem Weg nach Dernau an diesem wunderschönen Rentner-und Tourenschwuchtelaussichtsplatz eine kleine Pause mit Blick aufs Ahrtal.


Wunderbar!

Noch wunderbarer war das Ergebnis meines kleinen Versuchs, welcher darin bestand, den Motor im Leerlauf mal für 2-3s auf 8000-10000 U/min zu bringen um zu schauen, wie
hoch denn so die Ölauswurfrate ist. Überraschenderweise sah ich statt weiß-blauen Qualm nur noch flimmernde Luft. Vielleicht war jadoch nur etwas zu viel Öl drin, was jetzt endlich rausgedrückt wurde. Mit einem durch dieses Ergebnis hervorgerufenen, etwas besserem Gefühl im Bauch, stellte ich mich auf dem restlichen Weg zum Ring schon mal auf das auf selbigem geplante Marschtempo ein. Besonders interessant waren die restlichen 5km über die "Stoßdämpfertöterallee", die ganz nebenbei mit 80PS einen Irrespaß gemacht haben und einem schon mal einen leichten Vorgeschmack auf das folgende vermitteln konnten.


Endlich, mit durch die Anfahrt schon ausreichend erwärmten Reifen
angekommen, wollte ich auch gar nicht viel Zeit verschwenden und
holte mir, nachdem ich erfreut festgestellt habe, wie wenig Betrieb doch dort herrschte, die Karte für die erste Runde.


Mit dem Öffnen der Schranke wurden dann aber auch ganz plötzlich wieder
Erinnerungen an meine letze Runde wach, die ich ja leider unfreiwillig im Kiesbett vorm Schwalbenschwanz und nicht im Ziel beendet habe.

Egal, erst mal rauf auf die Piste und Gaaaaaaaas!!! 2., 3. und 4. Gang
voll bis 12000 ausgedreht und im Abschnitt Antoniusbuche-Tiergarten schon mal die erste mittlere Kompression beica. 170 erlebt. Leider war die halbe Anfahrt zum Hatzenbach mit einer Formel 1 Tribüne verbaut, sodaß man leider gezwungen war,
über einen Seitenweg wieder auf die Strecke zu gelangen. Im Hatzenbach selber fiel mir - durch starke Unruhen bei ca. 140-150 in Schräglage in der ersten Rechts - erstmals mein wohl doch nicht ganz rennstreckenkonformes Fahrwerk auf. Da ich wenigstens nicht gleich am Anfang der Runde auf dem Hosenboden landen wollte,
hielt ich mich danach erst mal zurück. Diese Zurückhaltung endete aber schlagartig ca. 500m später, als ich mit voll ausgezwiebelten 5. Gang und ca. 180km/h Richtung Flugplatz knallte. Auf der ersten Kuppe hob es mich etwas aus dem Sattel, aber ca. 50m
später wurde ich auch schon durch die bei ca. 190 in der folgenden rechts-Senke
entstehenden leichten Kompressionen wieder in selbigen zurück gedrückt.

Vor der nächsten Kuppe nahm ich dann etwas Gas weg, um mit ca. 160 den Flugplatz zu nehmen, der seinem Namen alle Ehre macht: Die gesamte Frontpartie wurde extrem leicht, ich blieb aber diesmal, weil ich mich mit den Oberschenkeln am Tank festklammerte, im Sitz, mußte dafür aber gegen heftiges Schlingern kämpfen. Bis Aremberg, wo ich das erste mal in dieser Runde an der Raste geflext habe (wurde aber auch langsam Zeit <g>), dann das erste mal in den 6. Geschaltet und die 200km/h Marke nur knapp verfehlt.


Ziemlich adrenalinfördernd war die letzte Links vor Aremberg, die ich immerhin noch mit stolzen 170 und ziemlicher Schräglage ging! In der Füchsröhre hatte ich diesmal ziemlich genau 195 drauf, wobei ich zudem noch merkte, wie es mir in der Senke das Blut aus dem Hirn zog, was mit einem starken Schwindelgefühl verbunden war, welches sich aber auch zum Glück gleich wieder verzog.


Ausgang Adenauer Forst war die Zeit dann endlich reif für einen Beschleunigungstest aus großer Schräglage, bei dem mich meine ME Z1 gripmäßig auch nicht im Stich ließen! Kallenhard (oder wie man das schreibt) schlug mir infolge von Schräglage und lauter kleiner Mini-Bodenwellen das Fahrwerk durch und ich setze mit Raste, Hauptständer, Bremspedal und Auspuff auf, was obendrein durch wilde Fahrweksunruhen untermalt wurde. Mal wieder ein Zeichen, daß die Bandit kein Superbike ist, aber das vernachlässigen wir hier einfach mal :o) Das Kesselchen (dreifach bergauf - Linkskurve) passierte ich bis Klostertal dank der 80PS diesmal mit 170-175, wodurch mir die Qualitäten dieser Passage doch schon um einiges deutlicher geworden sind als mit den 34PS bedingten 130-140 der Vorjahre!

Von Hohe Acht über Wippermann bis zum Brünnchen hatte ich, wie in allen meinen vorherigen Runden auch schon, immer noch leichte Probleme mit demAnpassen der Geschwindigkeit und dem Finden einer guten Linie; also ließich es hier etwas ruhiger rollen! Im Brünnchen war ich dann naturgemäß zwei mal an der Raste und in der darauffolgenden Eiskurve habe ich mir mal wieder den Seitenständer und die Seitenständerbefestigung am Rahmen angehauen.

Blöde weiche Banditfedern!

Im Pflanzgarten habe ich mich durch das Durchfahren dieser Passage mit knapp 140 mal wieder kurz schwerelos gemacht. Einige Ecken später erwartete mich dann meine
"Lieblingskurve" mit dem schönen Kiesbett, was ganz weich ist, wenn man
mit 120 den Kopf reinsteckt (ausprobiert!!!). Diesmal vermied ich -aufgrund von bösen Erfahrungen- das anfahren dieser Kurve mit übermütigen 150, sondern beschränkte mich auf 130, was sich aber im Nachhinein sogar noch als etwas zu langsam herausstellte. In der nächsten Runde schaffte ich meine Crashkurve tatsächlich mit etwas über
120, was nun endlich beweist, daß ich damals nicht viel zu schnell war, sondern die Kurve nur in einer besch**** Linie angefahren bin, weshalb
mir dann am Ende die Straße ausgegangen ist. Sowas!


Auf eine genaue Beschreibung der 2. Runde, die sich insgesamt zwar um einiges schneller aber nicht wesentlich spektakulärer gestaltete, verzichte ich einfach mal und sage nur, daß ich mir ein Wiedersehen mit dem Ring nicht viel schöner hätte vorstellen können!


Den Weg nach Hause dehnte ich dann auf die längstmögliche Variante, nämlich mit Umweg über die Wasserscheide und Bad Münstereifel aus. Es ist einfach schön und ein mit Worten kaum beschreibbares Gefühl, nach einer richtigen Andrückersession am Ring ganz entspannt und gemütlich, einfach den Moment genießend, über die leeren Eifellandstraßen in den Sonnenuntergang hinein, nach Hause zu fahren.

Eigentlich ist es gerade das, was ich mir früher immer unter Motorradfahren vorgestellt habe, aber heutzutage fast nie in einer solchen Form, außer in so seltenen aber schönen Augenblicken wie diesen, "erfahre".

In dieser ruhigen und besonnenen, ja ich will schon fast sagen romantischen Atmosphäre, wurde ich nur ein mal gestört, als mich auf einer Seitenstraße ganz frech eine ZRX 1200 überholte. Ohne großartig nachzudenken, entriß ich mich dieser schönen Stimmung, schaltete 2 Gänge runter und drehte den Hahn in alter Gewohnheit ganz auf um mich auf eine

Herbrennung der ZRX meinerseits vorzubereiten! Nachdem ich dann aufgeschlossen und ihr nach einer engen aber gut ausgebauten, ca. 100km/h schnellen Rechtskurve am Nummernschild klebte und schon fast zum symbolischen Überholen ansetzen wollte, erinnerte ich mich daran, daß ich ja heute schon meinen Spaß hatte und ließ sie, nicht zuletzt auch aus Führerscheinverlustangst, demonstrativ abziehen um meine besinnliche Heimfahrt fortzusetzen.


Auf der Autobahn verbriet ich dann den restlichen Heimweg mit für das Fahren ohne jeglichen Windschutz zügigen 180-210, ohne dabei auch nur einenGedanken an den Verschleiß meines Hinterreifens, der nach der heutigen Tour sichtlich an Substanz verloren hat, zu verschwenden :)


Alles in allem doch ein recht gelungener Feierabend, würde ich sagen!

 

Wer nochwas über die "Grüne Hölle" erfahren möchte : www.nuerburgring.de